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Job mit Behinderung – Deine Rechte und Tipps für die Jobsuche

Du hast eine Behinderung und bist auf Jobsuche? In diesem Artikel informieren wir dich über deine Rechte auf dem Arbeitsmarkt. Wir schauen uns an, wie du mit deiner Behinderung in der Bewerbung umgehen solltest und werfen einen Blick auf verschiedene Anlaufstellen für die Jobsuche.

Inhalt

Welche Rechte haben Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt?

Im Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) sind eine Reihe Gesetze formuliert, die besondere Verpflichtungen von Arbeitgebern gegenüber Menschen mit Behinderung festhalten. Sie sollen einer Benachteiligung behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt entgegenwirken und ihre Teilhabe erleichtern.

Bevor wir uns die besonderen Rechte behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt ansehen, erst einmal das Grundlegende:

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet mindestens 5% ihrer Arbeitsplätze an schwerbehinderte oder gleichgestellte Menschen zu vergeben. Als schwerbehindert gilt eine Person ab einem Grad der Behinderung (GdA) von 50. Menschen mit einem GdA von mindestens 30 aber weniger als 50, können sich über einen Gleichstellungsantrag mit schwerbehinderten Menschen gleichstellen lassen. Durch die Gleichstellung haben sie dieselben arbeitsrechtlichen Vorteile wie schwerbehinderte Menschen.  

Ob ein Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, die 5% Quote zu erfüllen, hängt von dem monatlichen Jahresdurchschnitt an Arbeitsplätzen ab, die er vergeben hat. Sobald diese Anzahl 20 überschreitet, ist er verpflichtet, die Beschäftigungsquote zu erfüllen.

Ein Beispiel, um den monatlichen Jahresdurchschnitt an Arbeitsplätzen zu verstehen: Angenommen ein Arbeitgeber beschäftigt im Januar 39 Mitarbeiter, im Februar 42, im März 42, im April 40 und für den Rest des Jahres wieder 39 sind das insgesamt 475 Arbeitsplätze im Jahr. Jahresdurchschnittlich sind es dann 475 (Arbeitsplätze) : 12 (Monate) = 39, 6.

Allerdings gelten für kleine Unternehmen mildere Regelungen: Unternehmen mit weniger als 40 Arbeitsplätzen monatlich im Jahresdurchschnitt müssen nur einen schwerbehinderten Menschen beschäftigen. Unternehmen mit weniger als 60, nur zwei.

Wenn Unternehmen dieser Beschäftigungsquote nicht nachkommen, müssen sie eine sogenannte “Ausgleichsabgabe” an das Integrationsamt zahlen. Umso weniger Menschen mit Behinderung in dem Unternehmen angestellt sind, umso höher ist die Strafe.

Nachdem wir uns die grundlegenden Rechtslage angesehen haben, kommen wir nun zu den besonderen Rechten von Menschen mit Behinderung in einem Beschäftigungsverhältnis.

Recht auf Zusatzurlaub (§ 208 SGB IX)

Einem Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung stehen zu den üblichen Urlaubstagen bis zu fünf bezahlte Urlaubstage mehr im Jahr zu. Entscheidend sind die Arbeitstage pro Woche. Wenn du eine 2-Tage Woche hast, stehen dir zwei Tage mehr zu. Bei einer 5-Tage Woche eben fünf. Gleichgestellte Menschen sind durch § 151 von dem Recht auf Zusatzurlaub ausgenommen.

Recht auf eine Beschäftigung, die den Fähigkeiten angemessen ist (§ 164 SGB IX)

Arbeitgeber sind verpflichtet, schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer so einzusetzen, dass sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse optimal nutzen und weiterentwickeln können. Unter- und Überforderung soll vermieden werden.

Benachteiligungsverbot und Recht auf Förderung des beruflichen Fortkommens (§ 164 SGB IX)

Arbeitnehmer dürfen wegen ihrer Behinderung nicht benachteiligt werden. Das betrifft die Einstellung, den beruflichen Aufstieg, die Arbeitsbedingungen, die Entlohnung und die Weiterbildungsmöglichkeiten. Schwerbehinderte und gleichgestellte Mitarbeiter haben einen Anspruch darauf, bei innerbetrieblichen Maßnahmen der beruflichen Bildung bevorzugt berücksichtigt zu werden. Die Teilnahme an außerbetrieblichen Maßnahmen der beruflichen Bildung muss ihnen in zumutbarem Umfang erleichtert werden (z.B. durch Fahrtkostenzuschüssen oder Freistellungen).

Recht auf Anpassung des Arbeitsplatzes (§ 164 SGB IX)

Behinderten Menschen steht es zu, dass ihr Arbeitsplatz an ihre Bedürfnisse angepasst wird. Dabei kann es sich um die Anschaffung technischer Hilfen wie einer ergonomischen Tastatur handeln, aber auch um Hebehilfen oder ein eigenes Büro. Auch die gesamte Arbeitsstätte muss gegebenenfalls angepasst werden, sodass zum Beispiel Toiletten oder die Küche barrierefrei zugänglich sind. Finanzielle Unterstützung für diese Umbauten können die Arbeitgeber bei den Arbeits- und Integrationsämtern beantragen.

Recht auf Befreiung von Mehrarbeit (§ 207 SGB IX)

Schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer können sich von Mehrarbeit freistellen lassen. Mehrarbeit beschreibt die Arbeitszeit, die über die gesetzliche Zeit von acht Stunden pro Tag hinausgeht. Wenn du und dein Arbeitgeber allerdings einen geringeren Stundensatz als acht Stunden pro Tag ausgemacht haben, kann er durchaus Überstunden von dir verlangen. Erst ab acht Stunden pro Tag ist Schluss, wenn du das möchtest.

Kündigungsschutz (§ 168–173 SGB IX)

Schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen stehen unter einem besonderen Kündigungsschutz, der dafür sorgen soll, dass sie nicht aufgrund ihrere Behinderung gekündigt werden. Das Integrationsamt muss einer Kündigung zustimmen. Dazu prüft es, ob die Behinderung der Grund für die Kündigung ist. Ist das der Fall verweigert das Integrationsamt die Kündigung. Hat die Kündigung nichts mit der Behinderung zu tun, gelten die üblichen rechtlichen Kündigungsregeln.

Ausgenommen von dieser Regelung bist du, wenn dein Arbeitsverhältnis noch keine sechs Monate besteht. Erst nach Ablauf dieser Zeit greift der Kündigungsschutz.

Gut zu wissen: Wenn dein Arbeitgeber bisher nichts von deiner Schwerbehinderung wusste – du bist nämlich nicht dazu verpflichtet, ihn davon zu unterrichten, mehr dazu weiter unten – dann musst du ihm innerhalb von drei Wochen nach der Kündigung über deine Schwerbehinderung informieren, wenn du von dem Kündigungsschutz Gebrauch machen möchtest.

Wie mit der Behinderung in der Bewerbung umgehen?

Viele Bewerber haben Angst, dass sie sich vorzeitig ins Aus schießen, wenn sie in der Bewerbung offen mit ihrer Behinderung umgehen. Unberechtigt ist diese Angst leider nicht. Die Zurückhaltung auf Seiten der Arbeitgeber ist häufig groß, vor allem was kleine Firmen betrifft. Große Unternehmen haben meist eine ganze Abteilung, die sich speziell mit allen Themen rund um die Einstellung und erfolgreiche Inklusion von behinderten Mitarbeitern beschäftigt. Diese Unternehmen sind gut informiert und wissen, dass sie den besonderen Kündigungsschutz und die Anpassungen des Arbeitsplatzes nicht fürchten müssen: Der Kündigungsschutz bedeutet nicht Unkündbarkeit und die Kosten für die Arbeitsplatzanpassungen können sich Arbeitgeber durch Zuschüsse und Förderungen erstatten lassen. Dennoch blieben laut Bundesagentur für Arbeit 2011 mehr als 250.000 Stellen, die für Menschen mit Behinderung vorgesehen waren, unbesetzt.

Muss ich meine Behinderung in der Bewerbung erwähnen?

Der Arbeitgeber darf dich im Bewerbungsprozess im Normalfall nicht fragen, ob bei dir eine Schwerbehinderung vorliegt. Falls er es doch tut, musst du auf diese Frage nicht wahrheitsgemäß antworten.

Die Ausnahme der Regel: wenn für einen konkreten Arbeitsplatz bestimmte körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder seelische Gesundheit notwendig sind, ist die Frage ausnahmsweise zulässig. Hier sollte es auch in deinem Interesse sein, die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten. Schließlich möchtest du keine Stelle, deren Aufgaben du letztendlich nicht erfüllen kannst.

Anders ist es, wenn dein Arbeitsverhältnis bereits sechs Monate besteht. Wenn dein Arbeitgeber dich dann fragt, ob eine Schwerbehinderung vorliegt und du verneinst, darfst du dich anschließend nicht mehr auf den besonderen Kündigungsschutz berufen.

Falls deine Schwerbehinderung erst im Laufe eines Beschäftigungsverhältnisses auftritt und deine Tätigkeit von deiner Behinderung nicht beeinflusst wird, gilt übrigens auch, dass du nicht verpflichtet bist deinen Arbeitgeber zu informieren.

Sollte ich meine Behinderung in der Bewerbung erwähnen?

Du bist also nicht verpflichtet, deine Behinderung offen zu legen. Ob du es dennoch solltest, ist schwer zu beantworten. Letztendlich kommt es auf dich und deine Situation an.

Bei öffentlichen Arbeitgebern wie Ämtern oder Behörden empfiehlt es sich meist, mit offenen Karten zu spielen. Diese sind sehr daran interessiert die Beschäftigungsquote schwerbehinderter oder gleichgestellter Mitarbeiter zu erfüllen und auch verpflichtet, alle fachlich passenden behinderten Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Deine Behinderung zu erwähnen, verschafft dir hier also einen Vorteil.

Wenn du körperlich behindert bist und beispielsweise im Rollstuhl sitzt, kann der Arbeitgeber dafür sorgen, dass das Vorstellungsgespräch in einem barrierefrei zugänglichen Raum stattfindet, falls du ihn vorab in deiner Bewerbung informiert hast. Falls ein Unternehmen bereits eine Schwerbehindertenvertretung hat, kann diese am Vorstellungsgespräch teilnehmen, wenn du deine Behinderung offen kommunizierst.

Es kann aber auch sinnvoll sein, deine Behinderung in deinen Bewerbungsunterlagen erst einmal unerwähnt zu lassen und das Thema im Vorstellungsgespräch zur Sprache zu bringen. Dadurch wirst du bei der Durchsicht der Unterlagen wie alle anderen Bewerber behandelt und im persönlichen Gespräch kannst du Vorbehalte bezüglich deiner Behinderung direkt aus dem Weg räumen.

Tipp: Hierbei hilft es, wenn du selbst gut informiert bist, was Arbeitgeber über die Einstellung behinderter Mitarbeiter wissen müssen. So kannst du ihnen ihre Zweifel nehmen. Natürlich sollte es nicht deine Aufgabe sein in dieser Hinsicht Aufklärungsarbeit zu leisten, allerdings kann es sich positiv für dich und die Stelle auswirken. So kannst du dem Arbeitgeber versichern, dass seine Zweifel – beispielsweise bezüglich der “Unkündbarkeit” – unbegründet sind.

Kann ich meine Behinderung gegenüber meinen Arbeitgeber auch nachträglich angeben?

Da du nicht verpflichtet bist, deine Schwerbehinderung offen zu legen, kannst du auch nachträglich deinen Arbeitgeber über deine Schwerbehinderung (oder Gleichstellung) informieren. Wichtig ist allerdings, dass dir erst ab diesem Zeitpunkt die besonderen Rechte zustehen und du sie nicht nachträglich geltend machen kannst.

Falls du befürchtest, dass dein Arbeitgeber dich aufgrund deiner Behinderung kündigen könnte, kannst du bei einem neuen Arbeitsverhältnis sechs Monate warten, bevor du die Karten auf den Tisch legst. Denn nach sechs Monaten greift der Kündigungsschutz. Ab dann kann dich dein Arbeitgeber nicht mehr aufgrund deiner Behinderung kündigen.

Wie soll ich meine Behinderung in der Bewerbung erwähnen?

Wenn du dich entscheidest, deine Behinderung bereits in der Bewerbung zu erwähnen, solltest du nicht das Hauptaugenmerk auf sie legen. Nicht weil du doch indirekt etwas vertuschen möchtest, sondern weil dein Anschreiben dazu da ist, deine Qualifikationen herauszustellen und zu zeigen, wieso du für den Job geeignet bist. Widmest du die Hälfte deines Anschreibens deiner Behinderung bleibt dafür wenig Zeit.

 

Wenn du wissen möchtest, wie du mit der perfekten Bewerbung überzeugst, schau doch mal auf unserem Karriereguide vorbei. Dort haben wir dir alles Wichtige zusammengefasst.

 

Ein Beispiel, wie du deine Behinderung im Anschreiben formulieren kannst wäre folgende Formulierung:

“In meinem Beruf als Fremdsprachenkorrespondentin kann ich mittlerweile auf zehn Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Meine Gehbehinderung schränkt mich bei der Ausübung meiner Tätigkeit nicht ein. Nachdem ich ...”

Jobs für behinderte Menschen – Wo findest du am besten einen Job?

Bundesagentur für Arbeit

Arbeitgeber sind verpflichtet aktiv zu prüfen, ob eine freie Stelle mit einem behinderten Mitarbeiter besetzt werden kann. Dazu fragen sie bei der Bundesagentur für Arbeit oder den Integrationsämtern nach. Diese schlagen dann geeignete, arbeitssuchende Menschen mit Behinderung für die Stelle vor. Ein erster Schritt bei der Jobsuche ist daher, bei der Bundesagentur für Arbeit zu vermerken, dass du arbeitssuchend bist.

Wenn du über diesen Weg einen Job findest, fällt auch die Frage nach dem Erwähnen deiner Behinderung in der Bewerbung weg, da das Unternehmen von Anfang an Bescheid weiß und gezielt nach einem Mitarbeiter mit Behinderung sucht.

 

Spezialisierte Stellenportale

Das Jobportal capjob.de, hat sich auf Jobs für behinderte Menschen spezialisiert. Arbeitgeber suchen hier gezielt nach Mitarbeitern mit Behinderung.

 

Inklusionsbetriebe

Eine andere Möglichkeit ist, bei Inklusionsbetrieben auf Jobsuche zu gehen. Hier sind 30 bis 50 Prozent der Stellen mit Menschen mit Behinderung besetzt. Dabei handelt es sich, anders als bei den Werkstätten für behinderte Menschen, um Betriebe auf dem regulären Arbeitsmarkt. Die Arbeitsverhältnisse sind sozialversicherungspflichtig und die Bezahlung orientiert sich an Tarifverträgen oder der ortsüblichen Vergütung. In Deutschland gibt es mehr als 900 Inklusionsbetriebe – oft in den Bereichen Büro, IT, Gastronomie, Hauswirtschaft, Landschaftspflege und Handel. Die Arbeitsplätze werden über reguläre Bewerbungsverfahren besetzt.

 

Unspezialisierte Stellenportale

Natürlich kannst du auch auf allen bekannten Stellenportalen im Internet nach einem Job suchen, wie Stepstone, Monster, Indeed oder bei uns auf Workwise.

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Bildnachweis Titelbild: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Veröffentlicht am 03.11.2020, aktualisiert am 18.04.2021

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