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4-Tage-Woche – mehr als nur eine Zukunftsvision?

Über kaum ein Thema wird aktuell so oft berichtet. Die Rede ist von der 4-Tage-Woche, dem „Arbeitszeitmodell der Zukunft“ – wie viele es bezeichnen. Was sich in Zukunft ändern wird, welche Vor- und Nachteile die 4-Tage-Woche bietet und warum das Pilotprojekt in Deutschland so kontrovers diskutiert wird, verrate ich dir in diesem Artikel.

Inhalt

Überblick: Was ist die 4-Tage-Woche?

„Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken.“

Lasse Rheingans, CEO, Autor & Speaker

Die Arbeitswelt befindet sich in stetigem Wandel und immer wieder etablieren sich neue Arbeitsmodelle. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise konnte man sehen, wie schnell sich neue Konzepte etablieren können – die Möglichkeit zum Home-Office ist heute oftmals Standard, während dies vor drei Jahren bei vielen Unternehmen undenkbar gewesen wäre. Digitalisierung, Globalisierung, Beschleunigung und Entgrenzung prägen und verändern unser künftiges Verständnis von Arbeit und ihre Gestaltung fundamental – so Sebastian Wörwag und Alexandra Cloots im Buch Flexible Arbeitsmodelle für die Generation 50+.

Eines der New Work Konzepte, das sich in einigen Ländern wie Belgien oder Schweden schon mehr oder weniger etabliert hat, ist die 4-Tage-Woche. Diese wird aktuell medial immer häufiger aufgegriffen. Die 4-Tage-Woche liegt dann vor, wenn die gesamte Wochenarbeitszeit auf 4 Tage verteilt wird. Arbeitnehmer:innen gewinnen durch dieses alternative Arbeitszeitmodell einen freien Tag in der Woche und das bei gleicher Bezahlung. Der Hintergrund: Insgesamt soll so das Wohlbefinden und die Produktivität der Arbeitnehmer:innen gesteigert werden. Auch die Mehrheit der Deutschen stimmt für eine Einführung der 4-Tage-Woche, das zeigt eine Forsa-Umfrage von ntv und RTL.

Statistik Meinung der Deutschen zur 4-Tage-Woche

Du fragst dich jetzt vielleicht: 4-Tage-Woche – schön und gut, aber wie soll das Konzept in der Praxis funktionieren? Im nächsten Abschnitt zeige ich dir einige Beispiele, wie die 4-Tage-Woche in anderen Ländern und Unternehmen läuft.

Belgien, Island & Co. – Hier existiert die 4-Tage-Woche bereits

Viele Länder und Unternehmen haben bereits den Startschuss für die 4-Tage-Woche gesetzt. Welche das sind und wie der Pilotversuch geklappt hat, erläutere ich im Folgenden.

Länder

  • Belgien: In Belgien wurde Anfang 2022 beschlossen, dass Arbeitnehmer:innen den rechtlichen Anspruch haben, den fünften Tag in der Woche freizunehmen, wenn sie dafür an den anderen Tagen länger arbeiten. Kritisiert wird am belgischen Beispiel vor allem, dass die Stundenanzahl pro Woche nicht reduziert wird, was wiederum bedeutet, dass Arbeitnehmer:innen an den vier verbleibenden Tagen länger arbeiten müssen. Thorben Albrecht, Leiter Politik im Vorstand der IG Metall plädiert daher dafür, dass das Arbeitszeitmodell in Deutschland – anders als in Belgien – mit einer Arbeitszeitverkürzung verbunden werden muss, um überlange Tagesarbeitszeiten zu verhindern.
  • Schweden: Bei vielen Unternehmen in Schweden wurde das Konzept der 4-Tage-Woche bereits umgesetzt. Getestet wurde die 4-Tage-Woche bei vollem Lohn bereits 2015, 2 Jahre später wurde der Pilotversuch aber wieder beendet, weil die Umsetzung des Konzepts viel zu teuer war. Derzeit experimentiere man mit einem 6-Stunden-Arbeitstag.
  • Island: In Island haben Feldversuche gezeigt, welch positiven Effekte durch eine Umstellung auf die 4-Tage-Woche mit 32 Stunden erreicht werden können. Bei der Studie kam man zu dem Ergebnis, dass die Reduktion der Arbeitszeit pro Woche zu einer verbesserten Work-Life-Balance und zur Steigerung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer:innen führte.

Unternehmen

  • knowhere: Das Unternehmen aus Hamburg, das für die KI-Chatbot-Lösung moinAI bekannt ist, hat seit August 2022 auf die 4-Tage-Woche umgestellt. Der Mitgründer und Geschäftsführer Patrick Zimmermann nannte als Grund dafür das veraltete Modell der 40-Stunden-Woche. Außerdem wolle man die Mitarbeiter:innen stärker an das Unternehmen binden und als eine Art Vorreiter bei der Etablierung des Konzeptes fungieren. Wie die Umstellung auf die 4-Tage-Woche läuft und ob die positiven Effekte, die erhofft wurden, eintreten, wird sich erst noch in Zukunft herausstellen.
  • Unilever: Der britische Konzern führte bereits im Jahr 2020 einen Pilotversuch in Neuseeland durch, bei dem die Mitarbeiter:innen sich aussuchen durften, ob sie auf die 4-Tage-Woche umsteigen wollen. Die Hoffnung lag darin, eine Veränderung der Arbeitsweise zu erreichen.
  • Braineffect: Das Startup aus Berlin, das innovative Lebens- und Nahrungsmittel anbietet, hat seinen Mitarbeiter:innen für den Sommer 2022 angeboten, auf die 4-Tage-Woche umzusteigen. Mit diesem Schritt wolle man laut CEO und Gründer Fabian Foelsch die Effizienz der Arbeit steigern und „im Sommer die verbrauchten Energien wieder aufladen“. Wie das Projekt gelaufen ist, wird sich erst gegen Ende des Sommers 2022 herausstellen.

Das spricht für die 4-Tage-Woche

Wer hätte nicht gerne einen Tag in der Woche extra frei, während die Bezahlung am Ende des Monats gleich bleibt? Ein gerne genannter Vorteil der 4-Tage-Woche ist bestimmt die bessere Work-Life-Balance. Schließlich nehmen laut einer Studie von Statista psychische Krankheiten im Job immer weiter zu – nicht selten wegen zu viel Arbeit, Leistungsdruck und Störungen des Arbeitsablaufs am Arbeitsplatz. Durch die Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Tage in der Woche bleibt den Arbeitnehmende mehr Zeit für das Privatleben, was auch eine Steigerung der mentalen Gesundheit und eine bessere Work-Life-Balance bedeutet.

Dies ist aber längst nicht der einzige Vorteil, der die 4-Tage-Woche bietet. Welche Vorteile mit der Einführung der 4-Tage-Woche sonst noch mit einhergehen, erfährst du in diesem Abschnitt.

Vorteil 1: Steigerung der Leistungseffizienz & Produktivität

Einige Studien konnten belegen: Die Produktivität steigt bei einer 4-Tage-Woche tatsächlich. Feldstudien aus Island haben gezeigt, dass sich eine Reduktion der Wochenarbeitsstunden positiv auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden ausgewirkt hat. Das Ergebnis: Die Produktivität blieb gleich oder verbesserte sich sogar. Grund dafür ist wohl die veränderte und verbesserte Arbeitsorganisation – sei es durch eine größere Autonomie über die Arbeitsabläufe oder Veränderungen der Arbeitszeiten und Schichtmuster. Die komprimierte Arbeitszeit hat dazu geführt, dass effektiver gearbeitet wurde. Außerdem sind Arbeitnehmende nach der verlängerten Erholungspause wesentlich ausgeruhter, sodass sie montags stets produktiver in die Woche starten konnten.

Dennoch: Der Effekt der gesteigerten Produktivität hat sich nicht bei allen Unternehmen sichtbar gemacht, die den Pilotversuch der 4-Tage-Woche gestartet haben. Somit lässt sich das Konzept nicht uneingeschränkt übertragen.

Vorteil 2: Mehr Flexibilität

Ein deutlicher Vorteil, der sich durch die 4-Tage-Woche ergibt, ist die erhöhte Flexibilität. Egal ob private Arztbesuche oder sonstige Verpflichtungen, die Organisation dieser Aufgaben gestaltet sich um einiges leichter. Außerdem haben Arbeitnehmer:innen mehr Zeit für sich & und die Familie. Angehörige, die etwa ihre Kinder oder Eltern pflegen, bietet die Flexibilität durch die 4-Tage-Woche ebenfalls einen großen Mehrwert.

Vorteil 3: Weniger Stress, mehr Freizeit & bessere Work-Life-Balance

Immer häufiger werden Burnout-Fälle in Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen im Job gebracht. In einer YouGov-Umfrage gaben im September 2021 39 Prozent der Befragten an, dass es bei ihrem Arbeitgeber Burnout-Fälle gegeben hätte.

Arbeit bedeutet für viele Arbeitnehmer:innen vor allem eines: Stress. Stress, der auf den Körper sowie die mentale und psychische Gesundheit schlägt. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, dass jede:r vierte:r Deutsche häufig gestresst ist. Der Stresslevel in Deutschland habe sich außerdem stetig erhöht, so der TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas. Eine häufig genannte Ursache für den erhöhten Stress ist oft auch der Job und die herrschenden Arbeitsbedingungen.

Ein Argument, das daher eindeutig für die 4-Tage-Woche spricht, ist die bessere Work-Life-Balance, die auch zu einer Minderung des konstanten Stresslevels führen soll. Mehr Freizeit und längere Erholungsphasen sollen dazu führen, dass das Wohlbefinden gesteigert wird und sich Arbeitnehmende grundlegend glücklicher und besser fühlen. Gleichzeitig haben Erwerbstätige bei einer 4-Tage-Woche auch mehr Zeit für sich selbst und können den Aktivitäten nachgehen, die sie bei der klassischen 40-Stunden-Woche nicht machen können. Die gesundheitlichen Vorteile sprechen also für eine 4-Tage-Woche mit Arbeitsstunden-Reduktion.

Vorteil 4: Besser für Klima und Umwelt

Klingt logisch: Wenn du beispielsweise einen Tag pro Woche nicht mit dem Auto ins Büro pendeln musst, wirkt sich das natürlich positiv auf die Umwelt aus. Der Nachhaltigkeitsaspekt spricht also eindeutig für die 4-Tage-Woche. Schließlich sparst du dir nun nicht nur die Fahrt mit dem Auto, sondern auch Arbeitsgeräte im Büro wie Laptops und Co. müssen nicht mehr instandgehalten werden. Besser für die Umwelt und besser für das Klima – so lautet das klare Argument, das für eine 4-Tage-Woche spricht.

Vorteil 5: Verbesserte Arbeitsstrukturen und weniger Fehltage

Klar ist: Bei einer 4-Tage-Woche müssen Termine besser getaktet und organisiert werden, weil das Konzept ansonsten nicht aufgeht. Die klare Strukturierung der Arbeitswoche führt zu mehr Gelassenheit bei Arbeitnehmer:innen, was sich wiederum positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Zudem bietet die 4-Tage-Woche den Vorteil, dass weniger Fehltage auftreten, da der freie Tag nun auch beispielsweise für Termine beim Arzt genutzt werden kann, was wiederum für die 4-Tage-Woche spricht.

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4-Tage-Woche: Das sind die Nachteile

Neben den genannten Vorteilen stößt die 4-Tage-Woche seitens Expert:innen auch auf viel Kritik. Im Folgenden erläutere ich die Nachteile, die sich durch das neue Arbeitszeitmodell ergeben.

Nachteil 1: Weniger Erholungszeit

4-Tage-Woche ist nicht gleich 4-Tage-Woche. Einerseits wird zwar immer davon gesprochen, dass man nun mehr Freizeit und Zeit für Erholungsphasen hat, dies stimmt aber nicht immer. Wenn die Wochenarbeitszeit sich dadurch nicht verändert und du nun die Arbeitszeit auf 4 Tage aufteilen musst, kann das bedeuten, dass du dadurch deutlich gestresster bist. Die 4-Tage-Woche ist also ein zweiteiliges Schwert und wenn sie nicht richtig umgesetzt wird, kann dies bei Arbeitnehmenden sogar zu mehr Stress führen.

Nachteil 2: Vorteil für die Konkurrenz

Ein klarer Nachteil der 4-Tage-Woche ist wohl der Vorteil für die Konkurrenz. Wenn die 4-Tage-Woche nicht in allen branchenähnlichen Unternehmen gleich umgesetzt wird und der Umstieg nicht flächendeckend stattfindet, ist die Konkurrenz klar im Vorteil und kann sich die geringere Arbeitszeit zunutze machen. Der Wettbewerb steigt also zunehmend, außerdem kann es ein Problem für das Unternehmen und Kund:innen sein, wenn Mitarbeiter:innen nicht fünf Tage in der Woche erreichbar sind.

Nachteil 3: Durchgetaktete Termine & keine Zeit für Diskussionen

Nur, weil ein Tag pro Woche wegfällt, bedeutet das nicht, dass auch das Arbeitspensum und die Stundenanzahl geringer werden. Vor allem signalisiert dies, dass manche Dinge ausfallen müssen, damit Termine, Meetings und Co. innerhalb der vier Tage in der Woche trotzdem stattfinden können. Beispielsweise könnten wertvolle Diskussionen und soziale Kontakte mit den Kolleg:innen ausfallen, was sich wiederum schlecht auf das Unternehmensklima auswirkt. Außerdem kann der fehlende fünfte Tag in der Woche zu einem erhöhten Arbeitspensum und zu mehr Stress in der 4-Tage-Woche führen.

Nachteil 4: Keine Chance für Startups & Co.

Für wirtschaftlich schwächere Unternehmen oder Startups, die gerade erst in ihren Startlöchern stehen, ist es nahezu unmöglich, auf eine 4-Tage-Woche umzustellen. Sie haben nicht die gleiche Flexibilität wie Großkonzerne – egal ob aufgrund von fehlenden personellen oder finanziellen Ressourcen. Vonseiten der Unternehmen können Umsatzeinbußen zu verzeichnen sein – schließlich fällt ein Tag in der Woche weg, in dem Umsatz erwirtschaftet werden kann.

Dennoch: Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Startup Buffer hat im Mai 2020 auf die 4-Tage-Woche umgestellt – und das laut Business Insider mit Erfolg: Die Mitarbeiter:innen des Startups fühlten sich weniger ausgebrannt und viel produktiver – der Wechsel zur 4-Tage-Woche hat sich in diesem Fall also ausgezahlt.

Vorteile und Nachteile der 4-Tage-Woche

Wie wird der Urlaub bei einer 4-Tage-Woche berechnet?

Laut dem Bundesurlaubsgesetz beträgt der bezahlte Mindesturlaub bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage, bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Werktage im Jahr. Da der fünfte Tag in der Woche bei einer 4-Tage-Woche entfällt, haben Arbeitnehmer:innen gesetzlichen Anspruch auf insgesamt mindestens 16 Urlaubstage im Jahr.

Die Berechnung lautet wie folgt: 24 Werktage/6 x 4 Arbeitstage in der Woche = 16 Werktage Urlaubsanspruch.

Fazit: Ein zukunftsträchtiges Modell?

Sowohl aus Arbeitnehmer:innen- als auch aus Arbeitgebersicht bietet die 4-Tage-Woche einige Vor-, aber auch Nachteile.

Für viele Arbeitnehmer:innen bietet die 4-Tage-Woche positive Effekte, wie etwa die Steigerung des Wohlbefindens und der Produktivität. Dennoch funktioniert die Umstellung auf die 4-Tage-Woche und die damit verbundene Reduktion der Arbeitszeit wohl nicht in allen Firmen und Branchen. Außerdem kommt es auch immer darauf an, ob die Umstellung auf die 4-Tage-Woche auch mit einer Reduktion der Wochenarbeitszeit verbunden ist – ist dies nicht der Fall, führt es vermutlich sogar zu mehr Stress auf der Arbeit.

Bislang gibt es bezüglich der 4-Tage-Woche – vor allem aus wirtschaftlicher beziehungsweise ökonomischer Sicht – noch einige Unklarheiten, die wohl erst noch behoben werden müssen. In einigen Branchen – wie etwa im Gesundheitsbereich – ist es außerdem um einiges schwieriger, die 4-Tage-Woche umzusetzen, als es bei kreativen Jobs wie beispielsweise im Marketing oder im Grafikdesign der Fall ist. Eine pauschale Antwort darauf, ob die 4- oder 5-Tage-Woche besser ist, gibt es wohl nicht. Es bleibt daher nichts weiter als abzuwarten, ob in Zukunft immer mehr Länder und Unternehmen das Konzept der 4-Tage-Woche einführen oder austesten und welche wirtschaftlichen Auswirkungen dies global mit sich bringt.

Eines lässt sich aber auf jeden Fall sagen: Die Arbeitswelt und die Art, wie wir arbeiten, wird sich auch in Zukunft noch sehr stark verändern – ob dies die Umstellung auf eine 4-Tage-Woche bedeutet oder etwas völlig anderes, wird sich zukünftig herausstellen.

Erfahre mehr über die 30-Stunden-Woche

Ella Janowitz

People Operations Managerin bei Workwise

People Operations Managerin Ella Janowitz„Arbeitsverträge, Anstellungsverhältnisse, Urlaubstage, Elternzeit – diese und viele weitere Themen beschäftigen mich in meiner Arbeit im Personalbereich seit über vier Jahren täglich und machen mich zur ersten Ansprechpartnerin für aktuelle und zukünftige Teammitglieder bei administrativen Personalprozessen."

 

Veröffentlicht am 10.10.2022, aktualisiert am 26.01.2023