Workwise KarriereguidePfeil rechts SymbolArbeitsrechtPfeil rechts SymbolKündigung in der Probezeit: Das ist jetzt wichtig

Kündigung in der Probezeit: Das ist jetzt wichtig

Endlich ist es so weit: Der erste Tag deines neuen Jobs. Ein neues Team und neue Aufgaben warten auf dich. Aber irgendwie kommst du nicht so richtig rein. Auch das Gespräch mit deinem Vorgesetzten hat nichts gebracht. Und aus Freude wird Frustration – bis du schließlich keinen anderen Weg mehr siehst als noch in der Probezeit zu kündigen. Was du jetzt beachten musst, erfährst du in diesem Artikel.

Inhalt

Wie lange dauert die Probezeit?

Die Probezeit in deinem Arbeitsvertrag macht meist die ersten paar Monate eines Beschäftigungsverhältnisses aus. Es geht darum, dass du und dein Arbeitgeber euch kennenlernt und seht, ob ihr miteinander arbeiten könnt.

Die Dauer der Probezeit ist gesetzlich auf maximal sechs Monate begrenzt. Sie kann aber genauso gut einen oder drei Monate lang sein – oder gar nicht vereinbart werden (wobei das eher selten ist). Die Regelung über die Dauer der Probezeit findest du in deinem Arbeitsvertrag.

Meistens wird sie vom Arbeitgeber voll ausgereizt, sie kann sich aber auch an der Komplexität des Jobs orientieren. Dabei gilt meist: Je leichter die Aufgaben sind, desto kürzer die Probezeit. Bei besonders komplexen Aufgabenbereichen gibt es umgekehrt Ausnahmen, in denen die Probezeit die sechs Monate übersteigt.

Welche Kündigungsfrist gilt während der Probezeit?

Bis auf wenige Ausnahmen muss die Kündigungsfrist in der Probezeit mindestens zwei Wochen betragen, kann aber auch individuell verlängert werden. Nach der Probezeit beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist vier Wochen. Außerdem muss eine Kündigung in der Probezeit weder von dir, noch vom Arbeitgeber begründet werden.

Die Probezeit ist optional, das heißt sie muss nicht vereinbart werden. Das ist zwar eher selten, aber es gibt keine gesetzliche Verpflichtung dazu. In diesem Fall beträgt die Kündigungsfrist ab deinem ersten Tag vier Wochen.

Wird auf die Probezeit verzichtet, wird das oft mit der Wartefrist des Kündigungsschutzgesetzes vermischt. Viele Arbeitnehmer gehen daher davon aus, dass sie sofort Kündigungsschutz genießen, wenn keine Probezeit vereinbart wurde. Das ist leider falsch. Der Kündigungsschutz greift unabhängig von der Probezeit erst, wenn du sechs Monate im Unternehmen beschäftigt bist.

Gründe für eine Kündigung in der Probezeit

Gerade angefangen und am liebsten willst du noch in der Probezeit wieder kündigen? Das kann passieren und ist kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Die Probezeit ist genau dafür da, dass du schaust, ob alles passt und mögliche Gründe für die Kündigung gibt es viele. Wenn du es tatsächlich in Erwägung ziehst, sollten sie aber gut sein.

Denn erstmal ausgesprochen, kannst du deine Kündigung in der Probezeit nicht einfach wieder ungeschehen machen. Und du musst deine Entscheidung natürlich auch beim nächsten Arbeitgeber begründen können – das geht mit guten Gründen leichter.

Mobbing

Mobbing ist inakzeptabel, immer und überall. Leider ist Mobbing am Arbeitsplatz keine Seltenheit und die Täter haben es oft auf die Neuen abgesehen. Das musst du dir nicht gefallen lassen.

Du kannst versuchen, die Sache in einem offenen Gespräch zu klären. Für die langfristige Arbeitsatmosphäre wäre das die beste Lösung. Bringt dich das aber nicht weiter, kannst du weitere Möglichkeiten ergreifen. Diese reichen von einer einfachen Beschwerde beim Arbeitgeber bis hin zur Strafanzeige – je nach Schweregrad des Mobbings.

Hilft alles nichts, ist das letzte Mittel der Wahl die Kündigung. In der Probezeit musst du zwar keine Gründe angeben, aber Mobbing rechtfertigt in vielen Fällen auch eine außerordentliche Kündigung. Statt noch zwei Wochen in dem Saftladen zu sitzen, kannst du im besten Fall von einem Tag auf den anderen einfach raus da.

Krankheit

Besonders dann, wenn deine Gesundheit unter den Arbeitsbedingungen leidet, ziehst du es zu Recht in Erwägung, zu kündigen. Mobbing und Stress können schnell zu physischen und psychischen Erkrankungen führen. Wichtig ist, dass du auf deinen Körper hörst und mögliche Warnzeichen früh erkennst, um dem Ganzen auf den Grund gehen zu können. Wenn du während deiner Anfangszeit bemerkst, dass der Job auf deine Gesundheit schlägt, ist es legitim in der Probezeit zu kündigen.

Unerfüllte Erwartungen

Irgendwie hast du dir das alles anders vorgestellt. Im Vorstellungsgespräch klangen die Aufgaben spannender und das Team war am Anfang auch noch netter. Jetzt sitzt du jeden Tag allein vor deinem Computer und machst ständig das Gleiche.

Du solltest dich in deinem Job auf jeden Fall wohlfühlen. Die Probezeit ist auch dafür gedacht, den Job und das Umfeld kennenzulernen. Häng dich aber nicht an Kleinigkeiten auf – jeder Job hat auch seine schlechten Seiten, mit denen du klarkommen musst. Merkst du aber, dass der Job nichts für dich ist und auch die Gespräche mit den Kolleg:innen nichts gebracht haben, solltest du dir überlegen, ob du woanders besser aufgehoben bist. Kündigen in der Probezeit ist dabei die folgerichtige Handlung.

Selbst kündigen in der Probezeit: Wie schreibe ich eine Kündigung in der Probezeit?

Einfach so verschwinden kannst du natürlich nicht. Du musst dich schon an ein paar Regelungen halten. Außerdem willst du dich um einen möglichst fairen und respektvollen Abgang bemühen. Die Welt ist klein und wer weiß, wann du mal wieder mit deinen früheren Kolleg:innen zu tun haben wirst. Daher solltest du dich bemühen, dass die Kündigung in der Probezeit möglichst unkompliziert abläuft:

Achte auf die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer

Dein Vorteil: Die Probezeit im Arbeitsvertrag ist dazu gedacht, einander kennenzulernen und falls es nicht passt, das Arbeitsverhältnis schnell und problemlos auflösen zu können. In der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist bei einer ordentlichen Kündigung daher in der Regel zwei Wochen und kann zu jedem beliebigen Tag erfolgen. Sie kann aber auch individuell vereinbart werden und länger als zwei Wochen sein. Daher solltest du nochmal in deinen Arbeitsvertrag schauen, um sicherzugehen, wann du kündigen musst. Die verkürzte Kündigungsfrist gilt für die gesamte Dauer der Probezeit, das heißt du kannst auch am letzten Tag mit der verkürzten Frist kündigen.

Übrigens: Wurde gar keine Probezeit vereinbart, gilt von Anfang an die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder Ende eines Kalendermonats beziehungsweise die im Arbeitsvertrag festgelegte Frist.

Die Kündigungsfrist gilt nur für ordentliche Kündigungen. Außerordentliche Kündigungen sind im Normalfall von einem auf den anderen Tag gültig, müssen aber einen wichtigen Grund haben (§ 626 BGB) und werden im Einzelfall auch geprüft. Mögliche Gründe sind zum Beispiel:

  • dir wurde dein Gehalt wiederholt nicht (pünktlich) gezahlt
  • du wurdest sexuell belästigt
  • dir wurde Gewalt angedroht
  • Arbeitsschutz ist für deinen Arbeitgeber ein Fremdwort

Kündigung in der Probezeit [Muster]

Damit deine Kündigung in der Probezeit wirksam ist, muss sie schriftlich erfolgen und darf keine Formfehler enthalten. Hier findest du ein Muster für dein Kündigungsschreiben:

Deine Kontaktdaten

Kontaktdaten des Unternehmens

Ort und Datum

Kündigung meines Arbeitsvertrages

Sehr geehrter Herr Mustermann / Sehr geehrte Frau Mustermann,

hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag vom [Datum] während der Probezeit innerhalb der vertraglich vereinbarten zwei Wochen.

Ich bitte Sie, den Erhalt meines Kündigungsschreibens schriftlich zu bestätigen.

Ferner bitte ich Sie, mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Für die bisherige Zusammenarbeit und das Vertrauen in mich bedanke ich mich herzlich.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]

Eine Begründung benötigst du nicht, wenn du in der Probezeit kündigst. Daher musst du dich auch im Kündigungsschreiben nicht erklären. Die Gründe für deine Kündigung in der Probezeit werden deinen Arbeitgeber aber sicherlich interessieren (sofern sie nicht offensichtlich sind) und gegebenenfalls ist es auch fair, offen darüber zu sprechen. Wenn du deine Gründe nicht offen darlegen möchtest, reicht auch der Zusatz „meine Erwartungen an die Stelle wurden leider nicht erfüllt.“

Aufhebungsvertrag als Alternative zur Kündigung in der Probezeit

Mit einem Aufhebungsvertrag kannst du die Kündigungsfrist umgehen, ohne dass du einen wichtigen Grund brauchst. Stattdessen benötigst du die Unterschrift deiner Chefin oder deines Chefs, denn ein Aufhebungsvertrag muss einvernehmlich sein. Daher wird dem meist auch ein Gespräch vorausgehen, in dem die verschiedenen Alternativen besprochen werden. Wie du um einen Aufhebungsvertrag bittest: Muster und Infos für Arbeitnehmer.

Nach der Kündigung in der Probezeit wieder durchstarten

Hast du ordentlich gekündigt, wirst du noch die Kündigungsfrist über zur Arbeit gehen müssen. Die Zeit kannst du eventuell überbrücken oder verkürzen, indem du deinen Resturlaub nimmst. Du hast in der Probezeit Anspruch auf Urlaub – für jeden vollen Monat ein Zwölftel deines Jahresurlaubs. Kann er dir nicht gestattet werden, muss er zumindest ausbezahlt werden.

Auch wenn die Situation unangenehm sein kann, solltest du dich um einen respektvollen Abgang bemühen. Hast du in der Probezeit gekündigt, weil der Job nichts für dich ist, nimmt dir das niemand übel. Aber du solltest dann auch dazu stehen. Damit sorgst du dafür, dass ihr im Guten auseinandergeht. Liegen hingegen schwerwiegende Gründe vor, ist es natürlich dein gutes Recht, den weiteren Kontakt so weit es geht zu minimieren.

Wichtig ist, dass du dich nicht entmutigen lässt. Ein Fehlgriff bedeutet nicht, dass es im nächsten Job wieder so läuft. Stattdessen weißt du jetzt, worauf du achten musst. Es kann auch hilfreich sein, deine Wünsche und Vorstellungen an deinen nächsten Job schriftlich festzuhalten. Diese Liste behältst du im Überblick, wenn du nach neuen Stellen suchst.

Damit du Zeit bei der Bewerbung sparst und dich auf das konzentrieren kannst, was wirklich wichtig ist – einen Job zu finden, der dich wirklich erfüllt – kannst du dich über Workwise ohne Anschreiben bewerben. Stattdessen beantwortest du Motivationsfragen zur Stelle und siehst von Anfang an, ob die Stelle zu dir passt und vermeidest eine erneute Kündigung in der Probezeit.

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Veröffentlicht am 16.05.2018, aktualisiert am 01.09.2021

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